Definition und Erkennungsmerkmale
Das Kapitell (lat. capitellum, „Köpfchen“) bildet den oberen Abschluss einer Säule, eines Pfeilers, Pilasters oder einer Ante. Es dient als Übergangselement zwischen der tragenden Säule und der aufliegenden Last. Konstruktiv sorgt es für eine gleichmäßige Lastenverteilung, indem es die Last von Arkaden und Gewölben in den Boden weiterleitet.
Das Kapitell überführt den runden Säulenschaft in das quadratische Auflager der Deckplatte. Seine Gestaltung kann konstruktiv-geometrisch oder organisch sein, oft mit dekorativen Ornamenten. In der Architektur der Antike und von der Renaissance bis zum Historismus dominierten die fünf klassischen Kapitellformen: toskanisch, dorisch, ionisch, korinthisch und komposit.
Varianten
Das Kapitell tritt in verschiedenen Gestaltungsformen auf, darunter:
- Dorisches Kapitell: Schlichte Form mit Abakus (Deckplatte) und Echinus (Wulst), oft mit Anuli (Rillen).
- Ionisches Kapitell: Charakterisiert durch seitliche Voluten, ein mit Eierstab verziertes Pulvinium und ornamentierte Zwickelflächen.
- Korinthisches Kapitell: Reich verziert mit Akanthusblättern, Voluten und einer zentralen Rosette.
- Kompositkapitell: Kombination aus ionischen Voluten und korinthischen Akanthusblättern.
- Toskanisches Kapitell: Eine schlichte, schmucklose Variation des dorischen Kapitells.
- Würfelkapitell (Romanik): Ein quaderförmiges Kapitell mit abgerundeten Ecken (Schilde und Abläufe).
- Trapezkapitell: Variante des Würfelkapitells mit trapezförmigen Eckausbildungen.
- Blattkapitell (Romanik, Gotik): Mit naturnahen oder stilisierten Pflanzendarstellungen.
- Kelchkapitell (Gotik): Konische, durchgängig runde Form mit quadratischer Deckplatte.
- Figurenkapitell/Bildkapitell: Darstellung von Menschen, Tieren oder Fabelwesen.
- Faltenkapitell/Pfeifenkapitell: Konkav gegliederte Kapitellform der Romanik.
Stilepochen und Verwendung
Das Kapitell entwickelte sich über verschiedene Epochen hinweg und passte sich den jeweiligen stilistischen Anforderungen an:
- Antike (Griechenland/Rom): Dorische, ionische und korinthische Kapitelle mit typischen Ornamenten in der Griechischen Architektur. Einführung des toskanischen und kompositen Kapitells mit oft üppigerer Verzierung in der Römischen Architektur.
- Romanik: Würfelkapitelle mit glatten oder ornamental verzierten Schilden, Trapezkapitelle in der Backsteinromanik, Blattkapitelle mit abstrahierten Pflanzenformen.
- Gotik: Naturnahe Blattkapitelle mit Efeu-, Wein- oder Eichenblättern, Kelchkapitelle mit typischen gotischen Proportionen, Figurenkapitelle mit szenischen Darstellungen.
- Renaissance und Barock: Rückgriff auf die klassischen Kapitellformen mit teils detailreicherer Ausarbeitung. In der Barockarchitektur oft mit dynamischer, plastischer Gestaltung.
Zusammenfassung
Das Kapitell ist ein zentrales architektonisches Element, das sowohl eine funktionale als auch eine dekorative Rolle übernimmt. Seine Gestaltung reicht von einfachen geometrischen Formen bis zu komplexen, pflanzlichen oder figürlichen Ornamenten. Die verschiedenen Kapitellformen prägen zahlreiche architektonische Epochen und sind wesentliche Bestandteile der Baugeschichte.
Fotogalerie

































Zeichnungen nach Vorbild vor Ort




Pfeiler und Kapitell, Spätromanik, Oberkapelle Schloss Neuenburg Freyburg, Zeichnung (K. Köstler) weiter lesen 4-Saeulen-Pfeiler-Oberkapelle-Freyburg-koestler

Freisäule mit korinthischem Kapitell, Antike, Renaissance, Klassizismus, Neo-Stile, Garten des Waldhauses in Colditz
, Metall (R. Breitsprecher) weiter lesen IMG_0117
Abbildungen aus Nachschlagewerken und Vorlagebüchern








