Bibliothek des Handwerks
Mit der Bibliothek des Handwerks in Berlin entsteht ein Ort, der in Deutschland bislang einzigartig ist: eine umfassende Sammlung handwerklicher Fachliteratur, die Wissen aus mehreren Jahrhunderten bündelt und für die Öffentlichkeit zugänglich macht.
Nach rund drei Jahren Planungs-, Sammel- und Umbauarbeit öffnet die Bibliothek nun offiziell ihre Türen. Die feierliche Eröffnung findet am Freitag, 29. Mai 2026, ab 15 Uhr statt, gefolgt von einem Tag der offenen Tür am Samstag, 30. Mai 2026, ab 12 Uhr. Informationen zur Teilnahme bietet die Website der Bibliothek.
Der Bestand umfasst insbesondere Fachliteratur zum Handwerk mit einem Schwerpunkt auf dem Bauhandwerk. Die Werke spiegeln die Vielfalt der Gewerke und regionalen Traditionen wider und dokumentieren das handwerkliche Wissen über Generationen hinweg.

Neben der Bestandsbewahrung verfolgt die Einrichtung ein klares Ziel: das Wissen aktiv zu vermitteln. Zu den Aufgaben gehören unter anderem:
- die systematische Katalogisierung der Bestände,
- die Unterstützung bei Literaturrecherchen,
- die öffentliche Bereitstellung der Werke sowie
- die Organisation von Seminaren und Vorträgen.
Durch die Einbindung in den Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) wird der Bestand perspektivisch auch digital recherchierbar sein.
Damit ist die Bibliothek des Handwerks weit mehr als ein Archiv – sie wird zu einem lebendigen Ort des Austauschs, der Qualifizierung und der Weitergabe handwerklicher Traditionen.
Von Berlin nach Leipzig: Handwerkswissen sichern
Das Beispiel Berlin zeigt, welche Bedeutung der systematischen Sicherung und Zugänglichkeit handwerklicher Literatur heute zukommt. Der strukturelle Wandel im Handwerk, die Schließung von Betrieben und Institutionen sowie Generationswechsel führen dazu, dass umfangreiche Fachbibliotheken und private Buchbestände zunehmend in Vergessenheit geraten oder gar entsorgt werden. Damit verschwinden nicht nur Bücher, sondern auch gewachsene Wissensbestände zu historischen Techniken, Materialien und Ausführungsweisen.
Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist auch das ehemalige Bildungszentrum im Schloss Trebsen, das über Jahrzehnte ein zentraler Ort der handwerklichen Fortbildung und Denkmalpflege war und heute jedoch nicht mehr besteht. Mit seinem Ende stellt sich umso drängender die Frage, wie die dort gesammelten Materialien und das darin gebündelte Wissen langfristig bewahrt werden können.
Genau hier setzt ein ähnliches Vorhaben in Sachsen an: die geplante Leipziger Baubibliothek.
Die Leipziger Baubibliothek: Ein wachsendes Archiv des Handwerks in Mitteldeutschland
Genau hier setzt die Leipziger Baubibliothek der Handwerkskammer zu Leipzig an.
Sie entsteht aus den Beständen des Bildungszentrums Schloss Trebsen, das von 1993 bis 2015 in enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer zu Leipzig Restauratoren im Handwerk ausgebildet hat und sich in dieser Zeit als bedeutender Ort der handwerklichen Denkmalpflege etabliert hat. Die dort gewachsene Sammlung wurde vom Förderverein Rittergut Trebsen für die Fortbildung Restaurator im Handwerk übergeben und bildet heute die Grundlage der Bibliothek.
Ziel ist der Aufbau einer Fachbibliothek für Denkmalpflege, Altbausanierung und Handwerksgeschichte in Mitteldeutschland.
Die Sammlung wird derzeit systematisch erschlossen und Schritt für Schritt zugänglich gemacht. Bereits erfasste Titel können über die Bestandsübersicht eingesehen und beliebig nach Gewerk, Titel und Autor gefiltert werden:
Eine Nutzung ist nach vorheriger Terminabsprache vor Ort in der Handwerkskammer zu Leipzig möglich.
Die Bibliothek entwickelt sich zu einem wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung der Restauratorenfortbildung im Handwerk und öffnet sich zugleich für Forschung, Lehre und die interessierte Fachöffentlichkeit.
Langfristig wird angestrebt, den Bestand auch digital und über einen Bibliotheksverbund recherchierbar zu machen.
Perspektive und Beteiligung
Die Leipziger Baubibliothek verfolgt das Ziel, handwerkliches Wissen langfristig zu sichern und zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer regional verankerten Fachbibliothek für Denkmalpflege, Altbausanierung und Handwerksgeschichte, die zugleich ein wichtiger Baustein in der Weiterentwicklung der Restauratorenfortbildung im Handwerk ist.
Dabei ist die Bibliothek eng mit anderen relevanten Einrichtungen vernetzt. Es besteht ein intensiver fachlicher Austausch mit der Bibliothek des Handwerks in Berlin sowie dem Sächsischen Wirtschaftsarchiv.
Gleichzeitig versteht sich die Leipziger Baubibliothek als Anlaufstelle für die Sicherung gefährdeter Buchbestände und Wissenssammlungen aus dem Handwerk. Insbesondere im Zuge von Betriebsaufgaben oder Generationswechseln können wertvolle Fachbibliotheken verloren gehen.
Betriebe oder Nachlässe können sich in solchen Fällen gern an die Handwerkskammer zu Leipzig wenden. Fachliteratur wird nach Möglichkeit in die Leipziger Baubibliothek aufgenommen. Für weitere Bestände besteht ein enger Austausch mit Partnern wie dem Sächsischen Wirtschaftsarchiv und der Bibliothek des Handwerks.
Ziel ist es, dieses Wissen gemeinsam zu sichern – und als Grundlage für zukünftiges Handwerk lebendig zu halten.

