Handwerk verbindet Sachsen und Latium

Traditionelle Handwerkstechniken bewahren, Nachwuchs gewinnen und voneinander lernen

Sachsen und die italienische Region Latium wollen ihre Zusammenarbeit in der handwerklichen Denkmalpflege weiter ausbauen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Austausch- und Bildungsformate für Handwerker beider Regionen.

Zusammenarbeit mit Partnerregion erneuert

Seit zehn Jahren verbindet Sachsen eine Regionalpartnerschaft mit der italienischen Region Latium und ihrer Hauptstadt Rom. Mit einem neuen Memorandum of Understanding wurde die Zusammenarbeit nun bekräftigt – auch in der Denkmalpflege. Das Memorandum kam im Zuge einer sächsischen Delegationsreise zustande, die auf Grund zwei besonderer Anlässe durchgeführt wurde:

Zum Einen feierte der Freistaat Sachsen das 30-jährige Bestehen des Staatskirchenvertrages, der ebenfalls Belange der Denkmalpflege umfasst, zwischen dem Freistaat und dem Heiligen Stuhl. Ministerpräsident Michael Kretschmer wurde aus diesem Anlass von Papst Leo XIV. zu einer Privataudienz empfangen. Zum Anderen sollten die mitgereisten Arbeitsgruppen diesen politischen Rahmen mit konkreten Projekten füllen. Für die Denkmalpflege reisten Landeskonservator Alf Furkert, Dr. Franziska Herborn von der Technischen Universität Dresden und Ron Claus von der Handwerkskammer zu Leipzig nach Rom. Mit Handwerkskammer-Präsident Matthias Forßbohm, Maurermeister, Joachim Hugk, Malermeister, und André Zehrfeld, Stuckateurmeister, waren zugleich drei Restauratoren im Handwerk aus unterschiedlichen Gewerken vertreten. Das brachte den Austausch immer wieder auf die Praxisebene: Was brauchen Betriebe für die Arbeit am Denkmal und wie lässt sich dieses Wissen weitergeben?

Ähnliche Herausforderungen in beiden Regionen

Trotz unterschiedlicher Bildungssysteme stehen Sachsen und Latium vor ähnlichen Problemen: Fachkräfte fehlen und Wissen über traditionelle Materialien und Techniken droht verloren zu gehen. Entsprechend groß waren Interesse und Anerkennung für den Neuaufbau der Fortbildung zum Restaurator im Handwerk in Sachsen. Seit 2025 befinden sich in Sachsen bereits 47 Handwerker auf dem Weg zum Master Professional. Wie wichtig praktisches Erfahrungswissen ist, zeigte die Besichtigung einer Baustelle im Palazzo Torlonia. Stuckateur Matteo Libanoro gab Einblicke in historische Stuck- und Stuckmarmortechniken und den Umgang mit Materialien und Rezepturen, die heute teilweise nicht mehr verfügbar sind.

Auch die Kunst- und Handwerksschule der Dombauhütte des Petersdoms kennt die Herausforderung, entstandene Bildungslücken wieder zu schließen und junge Menschen für traditionelle Techniken zu gewinnen. Beim Austausch mit Restaurator Primo Concordia wurde das ganz konkret: Historische römische Mörtel und Putze, antike Rezepturen und die Weitergabe dieses Wissens an die nächste Generation waren viel diskutierte Themen. Gespräche mit weiteren Partnern aus Restaurierung, Forschung und Kulturerbe bestätigten den großen Bedarf an praxisnaher Qualifizierung. Erste Projekte gibt es bereits. Nun gilt es, daraus anerkannte und dauerhafte Bildungsstrukturen zu entwickeln.

Eine zentrale Erkenntnis verband dabei viele Gespräche: Erfolgreiche Denkmalpflege braucht das Zusammenspiel von akademischen Fachleuten und spezialisiertem Handwerk – und das Verständnis für die Aufgaben und Kenntnisse des jeweils anderen.

Aus Austausch wird Zusammenarbeit

Ergebnis des Besuchs und gegenseitigen Austauschs: Nach und nach sollen konkrete Austauschformate entstehen. Italienische Handwerker werden Bildungsangebote in Sachsen kennenlernen und möglichst auch praktische Erfahrungen an Denkmalprojekten sammeln. Umgekehrt dürfen sächsische Handwerker in Latium besondere Materialien, Techniken und Arbeitsweisen vor Ort erleben. Langfristig stellt sich auch die Frage, wie solche Bildungsbausteine anerkannt und dauerhaft in einen qualitativen Bildungsrahmen eingebunden werden können.

Lebendige, erfahrbare Verbindung weiter pflegen, Chancen nutzen

Ein sichtbares Ergebnis der bereits gewachsenen Verbindung war die Eröffnung der Gast-Ausstellung „Italienischer Barock in Sachsen“ des Landesamtes für Denkmalpflege im Museo Napoleonico in Rom. Das Arbeitsgruppentreffen im Deutschen Archäologischen Institut widmete sich zugleich der Umsetzung des neuen Memorandums. 2027 wird der Austausch in Dresden fortgesetzt. Für das sächsische Handwerk eröffnet die Partnerschaft damit konkrete Chancen: neues Fachwissen, internationale Erfahrungen, Impulse für die Bildungsarbeit und neue Partner. Das gemeinsame Ziel: traditionelles Handwerkswissen praktisch lebendig halten und an die nächste Generation weitergeben.

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