Oschatzer Lehrbauwerke

Fachwerk, Gewölbe und traditionelle Bauweisen im Maßstab 1:1

Auf dem Gelände des Naturbau Campus Oschatz entstehen schrittweise dauerhafte Lehrbauwerke für die handwerkliche Denkmalpflege. Anders als klassische Anschauungsobjekte werden diese Bauwerke aktiv für die Weiterbildung genutzt. Sie ermöglichen es, historische Konstruktionen nicht nur zu betrachten, sondern an realen Bauwerken zu untersuchen, zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Die Lehrbauwerke sind für eine langfristige Nutzung ausgelegt. An ihnen können typische Schadensbilder simuliert, Bauteile ausgetauscht sowie unterschiedliche Reparatur-, Ergänzungs- und Restaurierungstechniken praktisch erprobt werden. So entstehen dauerhafte Übungsobjekte für für angehende Restaurierungsprofis.

Den Auftakt bilden das Fachwerk-Lehrmodell und das Lehrgewölbe. Weitere Lehrbauwerke sind bereits in Planung.

Historische Holzkonstruktionen praktisch verstehen

Mit einer Grundfläche von rund 4,70 × 3,70 Metern entsteht am Naturbau Campus Oschatz ein Fachwerk-Lehrmodell aus historischem Altholz.

Die Wandelemente werden vom 5. bis 7. November 2026 auf der denkmal Leipzig im Rahmen eines kostenfreien Praxis-Workshops gefertigt. Lehrlinge und Wandergesellen arbeiten dabei an verschiedenen historischen Fachwerkkonstruktionen, darunter ein Wilder Mann, unterschiedliche Andreaskreuze sowie weitere traditionelle Aussteifungs- und Verbindungselemente.

Nach der Errichtung dient das Bauwerk als dauerhafter Lehrkörper für die handwerkliche Denkmalpflege. Im Mittelpunkt stehen Reparatur- und Austauschverbindungen im Fachwerkbau. Bauteile können gezielt ausgebaut, ersetzt oder ergänzt werden, um Instandsetzungs- und Restaurierungstechniken unter realen Bedingungen zu üben.

Darüber hinaus bietet das Lehrmodell Raum für weitere Themen wie Lehmbau, Ausfachungen, Fenster- und Türanschlüsse sowie andere gewerkeübergreifende Fragestellungen historischer Fachwerkbauten.

So entsteht kein statisches Anschauungsobjekt, sondern ein Bauwerk, das sich mit jeder Übung und jedem Kurs weiterentwickelt.

Das Fachwerk-Lehrmodell knüpft an die Ausbildungstradition des Ritterguts Trebsen an. Der dort erfolgreich erprobte Praxisansatz wird in Oschatz aufgegriffen und für die zukünftige Fortbildung in der handwerklichen Denkmalpflege weiterentwickelt.

Stein für Stein historische Baukunst verstehen

Auf dem Gelände des Naturbau Campus Oschatz entsteht ein Lehrgewölbe nach historischem Vorbild. Ausgangspunkt sind die Gewölbe der Klausuranlage des Klosters Altzella bei Nossen, die von den Teilnehmern des Masterkurses „Restaurator im Handwerk“ untersucht, dokumentiert und analysiert werden.

Das Projekt wird gemeinsam mit dem Naturbau Campus Oschatz, dem Baustoffhandel baunativ und dem Ziegelwerk Huber umgesetzt. Während baunativ die Maßnahme als regionaler Partner begleitet, unterstützt uns das Ziegelwerk Huber das Projekt mit traditionellen Ziegelmaterialien.

In einer ersten Ausbaustufe entsteht ein Gewölbejoch nach dem Vorbild der Altzellaer Anlage. Die Teilnehmer durchlaufen dabei den gesamten restauratorischen Arbeitsprozess von der Bauaufnahme über die geometrische Konstruktion und die Herstellung des Lehrgerüstes bis zur handwerklichen Ausführung.

Langfristig ist die Erweiterung um ein zweites Gewölbejoch vorgesehen. Dieses soll eine andere historische Konstruktionsform repräsentieren und damit einen direkten Vergleich unterschiedlicher Entwicklungsstufen der sächsischen Gewölbebaukunst ermöglichen. Bauhistorische Veränderungen, konstruktive Besonderheiten und handwerkliche Lösungsansätze können so am realen Bauwerk nachvollzogen werden.

Nach seiner Fertigstellung dient das Lehrgewölbe dauerhaft als Lehr- und Übungsbauwerk. An ihm können typische Schadensbilder untersucht sowie Maßnahmen zur Reparatur, Sicherung, Ergänzung und Restaurierung historischer Gewölbekonstruktionen praktisch erprobt werden.

So entsteht Schritt für Schritt ein Lehrbauwerk, das die Entwicklung des historischen Gewölbebaus erlebbar macht und dauerhaft für Aus- und Weiterbildung genutzt werden kann.

Gewölbe im Klosterpark Altzella
Vorbild und Studienobjekt: Die Gewölbe der Klausuranlage des Klosters Altzella bilden den Ausgangspunkt für das Lehrgewölbe in Oschatz. © HWK zu Leipzig

In Planung ab 2027

Lehrbauwerk für Rabitz- und Scheingewölbe im Maßstab 1:1. Variable Gewölbesegmente sollen künftig die Vermittlung historischer Konstruktionen sowie die praktische Übung von Reparatur- und Restaurierungstechniken ermöglichen.